Marvel Fusion: Standortentscheidung noch offen

Marvel Fusion: Standortentscheidung noch offen

Neueste Fusionstechnologie mittels Laserenergie, bis zu 500 Jobs, immense Investitionen: Das alles verspricht das Münchner Unternehmen Marvel Fusion der Stadt Penzberg mit seinem geplanten Werk im Industriegebiet Nonnenwald. Noch hat der Penzberger Stadtrat dem Verkauf des städtischen Grundstücks an Marvel Fusion aber nicht zugestimmt.

Die Marvel Fusion GmbH wurde 2019 gegründet und hat ihren Sitz in München. Derzeit sind 30 Mitarbeiter beschäftigt. Im neunköpfigen Managementteam sitzen unter anderem die drei CEO und Mitgründer Dr. Georg Korn (Direktor für wissenschaftliche und technische Umsetzung am europäischen Laserinstitut ELI in Prag), Prof. Dr. Markus Roth (Professor TU Darmstadt, Geschäftsführender Direktor am Institut für Kernphysik) und Moritz von der Linden (Entrepreneur von globalen Hightech-Unternehmen sowie Gründer der Devisenhandelsplattform 360T und der digitalen Plattform CRX für Unternehmensfinanzierungen). Im fünfköpfigen Wissenschafts- und Technolgiebeirat sitzt mit Prof. Dr. Gérard Mourou ein Physiknobelpreis-Träger (2018 für Laserphysik). Im August 2020 fragte die Firma die Stadt Penzberg wegen eines rund 29.000 Quadratmeter großen Areals im Industriepark Nonnenwald an.

Baubeginn bereits Mai 2021?

Langfristiges Ziel der Marvel Fusion GmbH ist es, dort ein kommerzielles Fusionskraftwerk zu entwickeln, das auf Lasertechnologie basiert und CO2-freie Energie produziert. Dabei setzt die Firma auf eine Wasserstoff-Bor-Fusion, wobei Brennstoffzellen, ähnlich Pellets, mit Lasern beschossen werden. Alles in einer Vakuumkammer mit circa 1,5 Metern Durchmesser als Herzstück, der meiste Platz ist für die Laser nötig. Zuerst ist eine Demonstrationsanlage mit dem Namen „Proxima“ geplant. Der Bau soll bereits im Mai 2021 starten. Mit dieser Anlage soll der Nachweis des laserinduzierten Trägheitsfusionskonzepts geführt werden. Ist der Nachweis gelungen, soll in Penzberg der Prototyp eines Fusionskraftwerks namens „Antares“ entstehen.

Lastertechnologie spielt wichtige Rolle

Wie aber steht es um die Sicherheit eines solchen kommerziellen Fusionskraftwerk, bei dem mittels Laserenergie eine Fusion von Wasserstoffprotonen und Bor-Isotopen stattfindet? Laut Marvel Fusion entstehen dabei positiv geladene Helium-Teilchen und damit keine langlebigen radioaktiven Produkte. Ebenso soll kein Risiko einer unkontrollierbaren Kettenreaktion bestehen. Das Ergebnis sei ein sicherer, quasi unerschöpflicher, neutronenarmer Treibstoff. Von der radiologischen Einstufung her ähnle die Trägheitsfusionsanlage dabei einer Krebstherapieanlage, zum Beispiel dem Westdeutschen Protonentherapiezentrum in Essen oder jedem anderen Protonentherapiezentrum. Laut eines unabhängigen Gutachtens des TÜV Süd liegt die Belastung weit unter der natürlichen Strahlenexposition.

Noch steht die Entscheidung in Sachen Grundstücksverkauf durch die Stadt Penzberg aus. Wobei Marvel Fusion betont, dass der der Standort ideal sei. Denn dort finde man einen Untergrund, der Vibrationsarmut besitzt – und die landschaftlich reizvolle Lage Penzbergs in Nähe zum Großraum München lockt internationale Fachleute an. Laut Marvel Fusion würden voraussichtlich 150 Stellen bis 2023 geschaffen sowie 500 Jobs bis 2028. Auch wird die Ansiedlung von Zulieferern angekündigt. Die Finanzierung der Demonstrationsanlage ist laut Firma gesichert. Dafür rechnet man nach eigenen Angaben mit 200 bis 300 Millionen Euro an Investitionen.

 

So soll das mögliche Firmengelände in Penzberg einmal aussehen

Rendering: Marvel Fusion