Global denken, regional produzieren

Global denken, regional produzieren

Vor dem Hintergrund des Internationalisierungs- und Globalisierungsprozesses, lässt sich eine Renaissance der Region auszumachen. Denn gerade mit der Diskussion um die „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ auf Grund von Pandemien gewinnt die Bedeutung einer Region in einer globalisierten Welt eine neue Dimension.

Das Regio-Spezial der Fachzeitschrift LASER soll einen Überblick über Anbieter und Hersteller von Lasertechnologie, Laser-Komponenten und deren Anwendung in Maschinen und Anlagen geben. Beginnen möchten wir mit Baden-Württemberg.

Wir werfen redaktionell einen Blick auf die Wirtschaftssituation des Marktes in der Region. Im Trendbeitrag kommen die beteiligten Firmen zu Wort. Daneben werden diese in ausführlichen Portraits mit Produkt- und Leistungsportfolien vorgestellt. Komplettiert wird das Regio-Spezial durch digitale Company-Maps. Die Kombination aus Karte, Bild und Text und optional auch Video macht es einfach, den Betrachter von einem Firmenort zum nächsten zu führen und die Anbieter und Hersteller virtuell zu präsentieren.

Wie vielleicht das 30-jährige Jubiläum von SCANLAB, einem OEM-Hersteller von Scan-Systemen zum Führen und Positionieren von Laserstrahlen. Für den Anbieter hochwertiger Laser-Technik-Komponenten, der im Großraum München zuhause ist, hat sich seine „Ein-Standort-Strategie“ bewährt. Nach 30 Jahren am Markt kann das Unternehmen, das zu den Pionieren in der Photonik-Branche gehört, auf ein kontinuierliches Wachstum zurückblicken und ist auch für die nächsten Jahre sehr gut aufgestellt. Gegründet im Jahr 1990 hat SCANLAB klein angefangen. Auf der Lasermesse in München im Jahr 1995 wurde erstmals der eigenentwickelte Scan-Kopf, samt elektronischer Ansteuerung, einem breiteren Publikum vorgestellt. Das System weckte großes Interesse, mehrere Bestellungen gingen ein und die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf. Inzwischen hat sich SCANLAB zu einem Systemanbieter entwickelt, der eine Vielzahl unterschiedlichster Galvanometer-basierter Scan-Lösungen im Programm hat. Die passende Ansteuerelektronik sowie diverse Software-Produkte runden das Angebotsspektrum ab. Das Unternehmen hat weiterhin seine Entwicklung, die Fertigung, den Kunden-Service und weite Teile des Vertriebsteams an einem Standort, in Puchheim bei München, konzentriert. Heute beschäftigt SCANLAB rund 380 Mitarbeiter aus 38 Nationen und beliefert Kunden in zahlreichen Ländern Europas, Asiens und in Nordamerika.

Meldungen aus F&E

Das Fraunhofer IWS setzt erstmals innovative Laserschmelzanlage für komplexe Kupfer-Bauteile ein. Raffiniert geformte Kunststoffteile mit dem 3D-Drucker zu erzeugen ist heute keine Kunst mehr, sondern Alltagstechnologie. Ganz anders bei reinem Kupfer: Bisher gelang es nicht, das Metall mit Infrarotlasern vollständig aufzuschmelzen, um daraus Schicht für Schicht komplexe Bauteile zu erzeugen. Deshalb setzt das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS in Dresden nun eine neuartige additive Fertigungsanlage ein, die das Metall mit einem kurzwelligen grünen Laser nahezu defektfrei verarbeitet. Sie ermöglicht neue Fertigungsansätze, die bisher mit Reinkupfer nicht realisierbar waren. Damit lassen sich komplexe Bauteile aus reinem Kupfer und Kupferlegierungen für die Raumfahrt- und Automobilindustrie umsetzen und die Effizienz von Elektromotoren sowie Wärmetauschern steigern. Die neue Laserstrahlschmelzanlage ist einzigartig in Sachsen – auch deutschlandweit gibt es nur wenig Vergleichbares. Statt Infrarotlicht mit 1064 Nanometer (Millionstel Millimeter) Wellenlänge verwendet sie einen Scheibenlaser mit energiereichem grünen Licht der Wellenlänge 515 Nanometer. »Bei früheren Versuchen hat sich immer wieder gezeigt, dass infrarote Laserstrahlquellen bis 500 Watt nicht leistungsstark genug sind, um Kupfer vollständig aufzuschmelzen«, erklärt Samira Gruber, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IWS das Projekt betreut. Denn lediglich 30 Prozent der eingesetzten Energie erreichen den Kupferwerkstoff – den großen Rest reflektiert das Metall. Anders beim neuen grünen Laser mit maximal 500 Watt:  Hier absorbiert das Kupferpulver mehr als 70 Prozent der eingesetzten Energie und schmilzt vollständig, so dass es dann für die additive Fertigung einsetzbar ist.

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF entwickelt gemeinsam mit dem Start-up Twenty-One Semiconductors GmbH (21s) ein Lasermodul, das in der Durchflusszytometrie zum Einsatz kommen soll. Bei diesem spektralen Messverfahren, das unter anderem schon lange als Routineverfahren in der Medizin genutzt wird, werden Zellsuspensionen mit Laserlicht bestrahlt. Das dabei entstehende Streulicht ist bei jedem Zelltyp unterschiedlich und ermöglicht es, die Zellen zu bestimmen und zu zählen. Dafür werden Lasermodule mit Zentralwellenlängen im sichtbaren Spektralbereich benötigt. Die Nachfrage für solche Module wächst und sie finden breite Anwendung in der Spektroskopie und Fluoreszenzmikroskopie.

Ein neuartiges Laserkonzept für einen „membrane external-cavity surface-emitting laser“, kurz MECSEL, soll nun die gewünschten Frequenzen im ultravioletten Bereich effizienter und kompakter erreichen als etablierte Lasermodule. Die Idee für das innovative Laserkonzept stammt von den Gründern von 21s, die mit dem Fraunhofer IAF einen erfahrenen Partner im Bereich der Halbleiterlastertechnologie gefunden haben, um das laborerprobte Konzept ihres MECSEL für die Industrie zu realisieren. Ziel ist es, gemeinsam ein marktreifes Lasermodul zu entwickeln, das in der Durchflusszytometrie zum Einsatz kommen soll. Das einjährige FMD-Space Projekt ist Anfang des Jahres gestartet und wird von der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (FMD) unterstützt und vom Bundesministerium für Forschung und Bildung gefördert (BMBF).